Sie ernten neugierige bis ungläubige, oft abweisende Blicke. Häufig müssen sie mehr oder minder offenen Spott ertragen. Die Diskriminierung verfolgt sie durch jeden Tag: XXL-Übergewichtige leben anders, mit ganz eigenen Problemen.
Gleichwohl ist die Zahl der sehr adipösen Menschen in den letzten Jahren konstant gestiegen, wodurch sie aus sehr unterschiedlichen Gründen wahr genommen werden. So gibt es immer mehr wirtschaftliche Interessen. In allen Industrieländern entstehen Firmen, die sich auf Waren des täglichen Bedarfes für XXL-Menschen spezialisieren. Kleidung in Übergröße ist ja nichts Neues, aber inzwischen gibt es so unersetzliche Angebote wie Verlängerungen für Flugzeug-Sicherheitsgurte, besonders belastbare Klappstühle für unterwegs oder riesige Regenschirme. Beerdigungsinstitute bieten Särge im Spezial-Format, in Krankenhäusern gibt es extra breite Betten, die auch Patienten mit einem Körpergewicht von mehr als 200 Kilo tragen, und extra lange Spritzen.
Und in jeder größeren Ortschaft entstehen Selbsthilfegruppen. Hier treffen sich jene, die die tägliche Häme alleine nicht mehr verarbeiten können. Aber hier tauschen sie auch Tipps aus: Welcher Arzt hat im Wartezimmer Sitzmöbel für Schwergewichte, wie kann man bei seiner Krankenkasse argumentieren, um eine Kostenerstattung zu erhalten, welche Berufsunfähigkeitsversicherung geht kulant mit dem Thema um? Weiterhin informieren sich die Betroffenen über Neues aus der Zielgruppe: Wurde wieder jemand trotz besserer Qualifikation aufgrund seines Körpergewichts bei der Bewerbung abgelehnt? In welchem Beruf werden Dicke von vornherein ausgesiebt? Gibt es Wissenswertes aus dem Bereich der Medizin? Wie schafft man es, endlich abzunehmen und das Gewicht dauerhaft zu halten?
Nicht zuletzt verteilen die Mitglieder auch Good News. Denn die steigende Zahl der Schwerstgewichte führt nach und nach auch zu einer – zumindest gelegentlich- besseren Akzeptanz. So beweist die amerikanische Sängerin Beth Ditto durch ihre Musik und ihren „Fan“ Karl Lagerfeld, dass dick sein nicht die komplette Persönlichkeit ausmacht, was helfen mag, dass der eine oder andere doch ein wenig an Selbstbewusstsein gewinnt und den alltäglichen Spott an sich abprallen lassen kann.

